2008
Im Netz

Regie: Jan Weissenfels
Text: Jan Weissenfels

Uraufführung

Drei Freundinnen entdecken die erotischen Möglichkeiten
des Internets. Ein Spiel um verborgene Sehnsüchte,
Lügen und Intrigen.

Schauspielerinnen: Pia Irányi Beatrix Niederöst Esmeralda Nussbaum Paul Mächler
Bühnenbild: Franziska Buri
Kostüme: Sarah Grangier
Grafik: Claudia End
Regieassistenz: Georgette Nay
Technik: Nicolas Roos
Maske: Zita Suter
Bühnenbau: Hubert Baumgartner

Die Geschichte Sarah, Maggie und Lia - drei Freundinnen treffen sich regelmässig und
tauschen sich aus.

Lia, die jüngste, berichtet ihren Freundinnen von den Flirts und One-Night-Stands mit ihren
Internet-Bekanntschaften.

Neugierig versuchen auch Maggie und Sarah via Internet „nur mal ein bisschen zu flirten“.
Sarah erkennt dabei plötzlich bei einem Chat ihren Ehemann Max wieder. Auf Anraten ihrer Freundinnen chattet sie mit ihrem Mann weiter, ohne sich zu erkennen geben. Als er ein Bild
von ihr haben möchte, schickt sie eines von Lia. Sie erfährt beim Chat neue, unbekannte Seiten ihres Mannes. Sie fühlt sich getäuscht, verletzt, aber auch von einer wütenden und neugierigen
Lust getrieben, das Spiel weiter zu spielen.

Als ihr Mann die interessante Chat-Partnerin treffen will, ist Lia schnell bereit, ihn an Stelle von
Sarah zu treffen. Max findet Gefallen an Lia und würde gerne näher kennen lernen. Die drei Freundinnen wollen auch jetzt das Spiel noch nicht auffliegen lassen.
Doch durch Zufall deckt Max den Betrug auf.

Ist die Beziehung Sarah - Max stark genug um kommende Stürme zu überstehen?
Theaterkritik von Stefanie Herzberg

Neue Zuger Zeitung, Freitag, 7. November 2008

„Im Netz“ ist ein Stück über Liebe in Zeiten des Internets. Autor Jan Weissenfels und die Kulisse Zug machen sich und dem Zuger Publikum damit ein tolles Geschenk.

Ein wohlsituiertes Paar um die vierzig kommt sich unverhofft auf die Schliche. Ohne es zu wollen, decken ein Mann(Max, gespielt von Paul Mächler) und eine Frau (Sarah, gespielt von Pia Irányi) ihre wohlgehüteten Ehegeheimnisse auf und staunen nicht schlecht, als sich die Realität ihrer Beziehung jäh und brutal vor ihnen aus dem Schutt der Verdrängung erhebt. Das Medium, welches den unerwarteten Prozess in Gang bringt, ist das Internet. Als anonymes Tummelfeld in Anspruch genommen, zeigt sich bald, dass der virtuelle Raum Wand an Wand zur gestylten Architektenwohnung existiert (Bühnenbild: Franziska Buri). Das Stück „Im Netz“, welches vom Autor und Regisseur Jan Weissenfels in Zusammenarbeit mit den Schauspielern eigens für das Jubiläum entwickelt wurde, erzählt diese dramatische Fügung mit viel Feingefühl und einer sorgfältigen Prise Humor.

Starker Text

Dass die Suppe, die im vermeintlichen Freiraum des puren Spiels angeköchelt wird, im echten Leben ausgelöffelt werden muss, erfahren auch die zwei Freundinnen von Sarah. Sie geraten ebenfalls in den Sog der Ereignisse und vertreten als zwei entgegengesetzte Kräfte die Pole, in dessen Spannunsfeld sich Sarah befindet. Während die forsche Lia (Esmeralda Nussbaum) Sarah ermutigt, sich den Vorteil der Anonymität zu Nutze zu machen, warnt Maggie (Beatrix Niederöst) vor nicht absehbaren Konsequenzen. Sarahs Neugier jedoch ist gross, und was hat die Frau um die vierzig denn letztlich zu verlieren? In der Mitte ihres Lebens macht sich eine Leere breit, vielleicht lässt sich dieser bedrohliche Hohlraum mit Hilfe von Impulsen aus der virtuellen Realität ja neu füllen? Im Verlauf einer unaufhaltsamen und spannend gestalteten Abfolge von Ereignissen wachsen deren Protagonisten zu immer vielschichtigeren Charakteren heran. Dazu trägt der starke Text viel bei, der seine Figuren präzise und zügig zueinander und in der Geschichte vorwärts treibt. Dass die Schauspieler an der Entstehung des Stückes mitbeteiligt waren, ist sehr wohl spürbar, denn man merkt, dass sich alle ihrer Figuren sehr bewusst sind und sich in ihnen auch wohl fühlen.

Inszenierung besticht

„Im Netz“ präsentiert die Thematik der Partnersuche im Internet humorvoll und ernsthaft zugleich. Die Ängste und Sehnsüchte im bereich Liebe und Partnerschaft von Menschen, die mitten im Leben stehen, werden auf eine Art und Weise vermittelt, die alles andere als pathetisch oder voyeuristisch ist. Durch den Entscheid, gewisse Dinge nur anzudeuten, oder das Unsagbare eben ungesagt zu lassen, widersteht die Inszenierung der Versuchung, ihrer Geschichte sämtliche Geheimnisse zu entlocken. Sie packt ihre Zuschauer, wirft ihr Netz sozusagen aus, und lässt uns als ihren Fang auch nach dem Schlussapplaus noch eine ganze Weile zappeln.