2014
Haltstell


Regie: Livio Andreina
Text: Franz Hohler
Musik: Sergej Simbirev


Ein szenisch-musikalischer Reigen um Leben und Tod
Der Zug beibt aus - Warten - Neun Menschen begegnen
sich; Sie singen, erzählen Geschichten, streiten, lachen,
träumen, lieben, sterben, leben.
Cresendo - Mezzoforte - Pianissimo

Als ich von der Kulisse Zug für eine Regiearbeit angefragt wurde, wollte ich einen Abend mit Texten von Franz Hohler machen, eine Art Hommage an diesen grossen Schweizer Dichter, der mich mitseinen wunderbaren Geschichten seit meiner Kindheit begleitet.

Wir begegnen darin vor allem dem Menschen, seinen Abgründen, seine Höhenflügen und seinen
Träumen, dem Leben, dem Tod, wir begegnen uns. Mir schien die Haltestelle ein guter Ort, den
seltsamen und oft schrägen Geschichten und Figuren Raum zu geben und das Leben vorbeiziehen
zu lassen. Die Haltestelle ist ein Ort des Zwischenhaltes, des Umsteigens, des Wartens auf die Weiterreise.

Der Zug kommt zu spät, ob wir wollen oder nicht, wir sind gezwungen zu verweilen,
wir reagieren mit Wut, Gelassenheit, dürfen aber auch - endlich - innehalten, uns besinnen. Unsere
Haltestelle ist irgendwo, da steht eine Bank, eine Säule zum Anlehnen, ein Musiker spielt. An
diesem Ort treffen sich neun Menschen.

Mit den Spielerinnen und Spielern - ein innovatives und begeistertes Ensemble - haben wir aus dem reichen Werk von Franz Hohler verschiedenste Texte ausgewählt, die irgendwie zur Haltestelle gehören. Aus Improvisationen und Etüden entwickelten wir Figuren, erfanden Bilder, setzten Texte relevant auf die Bühne. Langsam entstand so an dieser Haltestelle im Nirgendwo ein Reigen um Leben und Tod, ein Einblick in die verschlungenen und oft grotesken Beziehungsstrukturen des Menschen.

Franz Hohler hat konzeptionell und dramaturgisch mitgearbeitet und uns in der Auswahl der Texte unterstützt. Ein wichtiges Element der Inszenierung ist die Musik.

Sergej Simbirev hat Liedertexte und Gedichte vertont, mit seinem virtuosen Akkordeonspiel die Szenen musikalisch bereichert, mit Leitmotiven den dramaturgischen Bogen gefestigt und mit den Spielerinnen und Spielern die Lieder einstudiert.

HALTSCHTELL ist ein szenischer Bilderbogen mit Musik geworden. Wir erzählen Geschichten und Gedichte, wir singen, wir spielen szenische Sequenzen und Dialoge. Die Geschichten haben sich mit unseren eigenen Geschichten vermischt. Der Stoff hat sich in Theater verwandelt und, so hoffe ich, in ein berührendes Theatererlebnis, zu dem wir sie gerne einladen.

Livio Andreina


Franz Hohler (Jg. 1943) ist in Olten aufgewachsen. Er führte 1965 - noch als Germanistikstudent -
sein erstes Soloprogramm «pizzicato» auf. Dessen Erfolg ermutigte ihn, das Studium abzubrechen
und sich ganz der Kunst zu widmen. Sein Werk umfasst Kabarettprogramme, Theaterstücke,
Film- und Fernseh-Produktionen, Kinderbücher, Kurzgeschichten und Romane. Oft geht er in seinem Werk von Alltagsbeobachtungen aus, die unversehens ins Absurde kippen.
Hohler wurde mehrfach ausgezeichnet, so kürzlich mit dem Solothurner Literaturpreis (2013) und
dem Johann-Peter-Hebel-Preis (2014).

Livio Andreina wurde 1954 in Luzern geboren. Er absolvierte ein Regie- und Schauspielstudium
bei Anton van Geffen an der Schauspielschule Arnhem/NL und bei Anatolij Vassiliev an
der «Schule für dramatische Kunst» in Moskau. Seit 1978 ist er freischaffender Schauspieler
und Regisseur. Andreina inszenierte unter Anderem «Der Gesandte» von Thomas Hürlimann,
«Zimmerstund - eine Alpen-Kammer-Oper» mit Lukas Bärfuss und Daniel Fueter oder
«Tyyfelsbrigg - Ein Freilichtspiel» von Gisela Widmer in Andermatt.

Sergej Simbirev wurde 1964 in Lebedin/Ukraine geboren und wuchs in Moskau auf.
Dort nahm erAkkordeonunterricht an der Schaporinmusikschule und begann sein Akkordeonlehrerstudium
am Musikcollege «Oktoberrevolution». Nach dem Konservatorium in Saratov studierte er an der A. Schnitke Hochschule in Moskau.
Er konzertierte mit «Timber Russian Accordions Group» durch die GUS und diverse Europäische Länder und nahm an Radio-, Fernseh- und CD-Einspielungen teil.
Simbirev lebt seit 1996 inder Schweiz und ist als freischaffender Musiker, Arrangeur und Komponist tätig.



MITWIRKENDE


Text Franz Hohler

Musik Sergej Simbirev

Auf der Bühne

Simone Bächler, Pia Irányi, Brigitta Ordelman,Markus Roos, Ina Seidl, Katja Stocklin-Kappeler,
Roman Tschäni, Gabriela Widmer-Annen, Sergej Simbirev

Regieassistenz Raban Weibel

Kostüme Sarah Grangier

Maske Zita Suter, Janine Notter

Bühnenbild Franziska Buri,Hubert Baumgartner

Technik Nicolas Roos

Grafik Robine Käufeler

Weitere Helfer Ruth Bruhnsen, Patricia Bouchard Roos, Brigitte Affentranger, Esmeralda Nussbaum von Felten, Anita Schneider, Paul Mächler und andere
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